IT-Unterstützung der Gerichte der Fachgerichtsbarkeiten

Auch die Entwicklung der Informationstechnik in den Gerichten der hessischen Fachgerichtsbarkeiten ist gekennzeichnet durch den Weg von Einzellösungen für die Gerichtsverwaltungen hin zur PC - Vollausstattung und einen längeren Zeitraum der Eigenverwaltung von PC-Netzen. Die IT - Ausstattung der Gerichte begann zum Ende der 80er Jahre mit Zentralanlagen für die damaligen Geschäftsstellen und Schreibdienste, zunächst mit wenigen Arbeitsplätzen z.B. bei dem Verwaltungsgericht Gießen zur Bearbeitung der NC-Verfahren, ab Anfang 1993 infolge der neuen Zuständigkeit für Asylverfahren mit einer Terminal-Vollausstattung des Folgedienstes auf der Basis von Targon/31 M55 von Siemens-Nixdorf. Zum Einsatz kamen dort die Textanwendung BUTLER und die Geschäftsstellenautomation SOJUS-VG.

Vereinzelte PCs erschienen daneben ab 1989 zuerst in der Gerichtsverwaltung (Vorzimmer der Präsidenten, EDV-Referenten). Von Juni 1990 bis Juni 1992 führte das HMdJ bei den Verwaltungsgerichten ein Pilotprojekt „PC am Richterarbeitsplatz“ durch, für das einzelne Richter verschiedener Gerichte mit dienstlicher Hard- und Software ausgestattet wurden. So erprobte die komplett mit Einzel-PCs ausgestattete 3. Kammer des VG Gießen das funktionale Zusammenwirken mehrerer Richterarbeitsplätze; Anfang 1996 schloss sich das Pilotprojekt „PC-Netzwerk am Richterarbeitsplatz“ mit zunächst 5 vernetzten PCs und einem Server an, der über eine Datenverbindung zum zentralen Targon-System verfügte, später auch über eine Direktverbindung zu Juris. Die Netzverwaltung geschah durch die Richter selbst. Ab Mitte 1997 erfolgte die Ausweitung dieses Richter-PC-Netzes durch Ausstattung mit weiteren dienstlichen PCs - 50 für die Gerichtsbarkeit insgesamt - unter Einbindung von replizierenden Lotus Notes Servern für Mailverbindungen sowie die Datenbanken Asylfact (Dokumente zum Asylrecht) und Judoc (Rechtsprechung der VGs) an allen hessischen Verwaltungsgerichten und einer Reihe außerhessischer Oberverwaltungsgerichte. Die Administration erfolgte vom VG Gießen aus.

Im Juni 1998 entschied sich das HMdJ für die Einführung der Fachanwendung Eureka-Fach in der Verwaltungsgerichtsbarkeit und bestimmte das VG Gießen zum Pilotgericht. Zugleich wurde zur Betreuung ein EDV-Team aus nichtrichterlichen Mitarbeitern eingerichtet. Im Januar 1999 erfolgte die Vollausstattung des Folgedienstes mit PCs und entsprechenden Servern. Im Juli 1999 ging das PC-Netz mit Eureka-Fach am VG Gießen in Echtbetrieb (in den Folgemonaten auch an den übrigen Gerichten). Ab März 2000 wurde der Zugang zu Eureka-Fach auch für die Richterschaft eröffnet, im Juli 2000 wurden die Geschäftsstellen und Schreibdienste organisatorisch zu Service-Einheiten zusammengefasst, im November 2000 war dann auch innerhalb der Richterschaft die Gesamtausstattung mit Arbeitsplatz-PCs ver-wirklicht. Ab März 2005 wurden die Verwaltungsgerichte in die landesweite Fernverwaltung der Server durch die HZD einbezogen. In einem „Modernisierungsprojekt Verwaltungsgerichtsbarkeit“ wurden die Gerichte bis März 2006 komplett mit Hardware ausgestattet.

Durch Verwaltungsvereinbarung der Präsidenten der hessischen Obergerichte der Fachgerichtsbarkeiten vom 30. November 2007 wurde die Gemeinsame IT-Stelle der Fachgerichtsbarkeiten („GIT-Fach“) als Kompetenzzentrum zur Wahrnehmung gemeinsamer, geschäftsbereichsübergreifender IT-Aufgaben der Fachgerichtsbarkeiten mit organisatorischem Sitz bei dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel gegründet.